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Artikel RP Online vom 20.03.2018



Ratingen/Heiligenhaus. Der Lehrerverband kritisiert, dass an Gymnasien zu viele Einser vergeben werden. Stimmt das? Schulleiter antworten. Von Monika von Kürten

Gleich nach den Ferien geht es los. Natürlich sind die meisten Schüler bestrebt, die gymnasiale Oberstufe so gut wie möglich abzuschließen, aber besonders gute Noten sind für sie nicht Alles. "Diejenigen, die unbedingt Medizin oder ein sonstiges Fach studieren möchten, bei dem ein Numerus Clausus (NC) gefragt ist, schauen natürlich auf die Endnote. Aber für die anderen ist der Notendurchschnitt eher zweitrangig. Wichtiger ist es für sie , dass die Schule sie gut auf die Prüfung vorbereitet und das Beste aus ihnen heraus geholt hat", kommentiert Irene Schulz, Leiterin der Martin-Luther-Gesamtschule in Ratingen.

Kollege Uwe Florin vom Dietrich- Bonhoeffer-Gymnasium sieht es ähnlich. Er betone regelmäßig in seiner Abschlussrede, dass es nicht so wichtig sei, wie die endgültige Abiturnote aussehe, denn alle Schüler haben etwas Großartiges geleistet, jeder nach seinen eigenen Fähigkeiten. Lediglich, wenn ein NC erforderlich sei, spielen die Noten eine Rolle.

Doch wie sieht es mit der Aussagekraft der Noten aus? Die Sorge von Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, dass aufgrund sinkender Anforderungen an die Reifeprüfung, die Abiturienten zu wenig gefordert werden, und somit die wirklich guten Schüler nicht mehr aus der Masse der Einser-Abiturienten heraus stechen können, können die Schulleiter in Ratingen und Heiligenhaus nicht verstehen. "Ich sehe keine inflationären Tendenzen bei den Noten", sagt Carmen Tiemann, Leiterin der Gesamtschule in Heiligenhaus und auch Florin findet Meidingers Ausdruck "Inflation der guten Noten" zu hoch gegriffen. Sicherlich hat sich im Rahmen von G8 das Anforderungsprofil an die Prüfungen geändert, trotz alledem ist das Niveau an ihren Schule in den letzten Jahren gleich geblieben. Nachvollziehbar ist es, dass jeder Lehrer sich wünscht, dass die Schüler in seinem Kurs gut abschneiden. Nichtsdestotrotz stehe aber im Vordergrund, dass das Beste aus den Abiturienten heraus geholt werde und sie dabei immer leistungsorientiert beurteilt werden. Und zwar aufgrund ihrer Fähigkeiten und nicht wegen irgendwelchen Drucks von außerhalb, um im Vergleich zum Vorjahr oder zu anderen Schulen besser oder schlechter dazustehen. Hinzu kommt, dass unter anderem zur Wahrung der Objektivität pro Jahr ein bis drei Prüfungsfächer (je nach Anzahl der Prüflinge) fremdkontrolliert werden."Wir bekommen beispielsweise die Mathematikklausuren von einer anderen Gesamtschule, während unsere Klausuren von einem Gymnasium kontrolliert werden. Schulformunabhängig werden so die Klausuren bestimmter Fächer aus der gesamten gymnasialen Oberstufe untereinander ausgetauscht", sagt Schulz.

Wie auch immer die Ergebnisse aus den Abiturprüfungen schlussendlich aussehen, Einfluss auf den Ruf der Schule haben sie nicht. Da sind sich Florin, Schulz und Tiemann einig. Die Eltern und Schüler entscheiden ihrer Erfahrung nach bei der Wahl der Schule nicht nach der Anzahl der Einser-Absolventen oder der Durchfallquote. "Das Schulprofil ist für sie entscheidend", so Tiemann.

Quelle: RP










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