
HEILIGENHAUS · (RP/köh) Der Unterricht der Klasse 10b der Gesamtschule im Fach Gesellschaftslehre fand aus besonderem Anlass einmal nicht im Klassenraum, sondern in der Merkur Spiel Arena von Fortuna Düsseldorf statt. Im Lehrplan ging es um das Thema „Antisemitismus und Erinnerungskultur.
„BildungsKick“ , eine Initiative des Jugendrings Düsseldorf in Zusammenarbeit mit Fußballclubs und Förderern, nutzt Fußballstadien als Lernorte: Klassen sowie Jugendgruppen werden eingeladen, an außerschulischen Workshops teilzunehmen. Ziel ist es, mit Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Antisemitismus oder sozialer Sensibilität junge Menschen dort abzuholen, wo sie sich auskennen – und gleichzeitig neue Perspektiven zu eröffnen.
In Kooperation mit dem Verein „Zweitzeugen“ – einer Organisation, die Überlebensgeschichten des Holocaust aufarbeitet und junge Menschen ermutigt, selbst zu „Zweitzeugen“ zu werden, also diese Geschichten weiterzutragen – fand der Workshop mit der Klasse statt. Ein Kern war die Auseinandersetzung mit den Lebensgeschichten zweier Biografien der NS-Zeit: Margot Friedländer und Dr. Waldemar Spier.
Für die Klasse 10b war dieser Workshop weit mehr als ein theoretischer Geschichtsunterricht. Der Lernort Stadion, die unmittelbare Auseinandersetzung mit dem Leben und dem Schicksal realer Menschen, machte Geschichte begreifbar. Die Schülerinnen und Schüler wurden emotional berührt — gleichzeitig motiviert, sich mit Verantwortung und Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. Die Bilanz der Schüler: Ein Workshop dieser Art schafft nicht nur Wissen — er schafft Empathie, Begegnung mit Geschichte und das Bewusstsein: Erinnern bedeutet Handeln.
Um Erinnerungskultur in anderer Ausprägung ging es bei einem zweiten Themenschwerpunkt an der Gesamtschule. Die Oberstufenschülerin Lina Depner hat beim Wettbewerb 2025 der Jüdischen Begegnungsstätte Wuppertal den dritten Platz erreicht. Im Rahmen des Kunstunterrichts entstand ein tiefgründiges Objekt, das sich mit dem Thema Auschwitz auseinandersetzt. Die Arbeit wurde inspiriert durch eine Kursfahrt zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, bei der sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Geschichte des Holocausts und den Spuren nationalsozialistischer Verbrechen auseinandergesetzt haben. Im Kunstunterricht wurde die gestalterische Umsetzung von Lina Depners Objekt stark geprägt durch die Auseinandersetzung mit den Werken der Künstlerin Rebecca Horn und deren poetisch-expressiven Objekte und Performances sowie durch die politisch motivierten Fotomontagen von John Heartfield, die für kritische Bildsprache und visuelle Anklage gegen Unrecht und Propaganda stehen. Aus diesen Impulsen heraus entwickelte die Schülerin ein eigenes Werk, das die Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und Menschlichkeit stellt.
