
Gesamtschule: So vielfältig kann Kunst sein
Eine Initiative lebt wieder auf: In den kommenden sechs Wochen sind unter dem Titel „Denken – Formen – Kunst“ diverse Bilder und Objekte aus dem vergangenen Jahr zu sehen.
HEILIGENHAUS · Nach der coronabedingten Pause hat die Gesamtschule Heiligenhaus die Tradition der Kunstausstellungen in der Stadtbücherei wieder aufgenommen. In den kommenden sechs Wochen sind dort unter dem Titel „Denken – Formen – Kunst“ diverse Bilder und Objekte aus dem vergangenen Jahr zu sehen. „Aus einem Gedanken wird eine Idee, die Idee wird zur Form“, beschreibt die Mathematik- und Geschichtslehrerin Lina Luisa Streeck die Entstehung der Schülerkunst.
„Ausgangspunkt waren Werke und Inszenierungen bedeutender Künstlerinnen und Künstler, darunter Jeff Wall, Andy Warhol, Pieter Bruegel der Ältere und Rebecca Horn. Deren künstlerische Positionen gaben Impulse für eigene Arbeiten“ , beschreibt Kunstlehrerin Steffi Werner die Intention für die Jahrgangsstufen 10 bis 13. So erschafft der kanadische Fotokünstler Jeff Wall künstlich inszenierte Welten. Die Schüler der Q1, also der zwölften Jahrgangsstufe, erstellten unter dem Titel „A Mystery Room“ zunächst fotografische Arbeiten, bevor sie Fotos in ein dreidimensionales Objekt umsetzten.
„Dabei war uns Nachhaltigkeit wichtig. Es sollte möglichst wenig neu gekauft werden“, betont Steffi Werner. Das eine oder andere Stück Holz, alte Playmobil-Figuren oder Teile von Puppenstuben fanden eine Wiederverwendung für die teils sehr filigran angelegten Dioramen.
Die zusätzliche Lichtinstallation verleiht den Arrangements zusätzlich eine besondere Ausstrahlung. Die 2024 mit 80 Jahren verstorbene Künstlerin Rebecca Horn setzte sich mit Verletzlichkeit und inneren Zuständen auseinander. Angeregt durch deren Arbeiten, griff der Kunst-Leistungskurs die Bereiche Krieg und Umwelt auf. In Gruppenarbeit wurde das Thema Leid umgesetzt: Eine weiße Figur mit tief dunklen Augenhöhlen gibt einen älteren Menschen wieder, der eine verstorbene Person in den Armen hält. „Das steht für Kriegsopfer und -verbrechen“ , beschreibt Hüseyin Aktas und lenkt die Aufmerksamkeit auf ein daneben liegendes Gewehr voll mit Schlagzeilen, die mit Gewalt, Schmerz und Notlagen zu tun haben.
Obwohl der Oberstufenschüler einen Kunst-Leistungskurs belegt, der für das Abitur relevant ist, möchte er sich nicht beruflich, sondern nur hobbymäßig künftig mit der Kunst beschäftigen. Ganz anders Theodosia Toupi: „Ich überlege, ob ich Lehrerin für Englisch und Kunst werde. Mich interessiert es, mit Kunst politische und gesellschaftliche Entwicklungen darzustellen.“ In ihrem Bild hat sie sich dem zunehmenden Gebrauch von digitalen Medien, ChatGPT und ganz allgemein der künstlichen Intelligenz auseinandergesetzt. Sie lässt junge Menschen mit Robotern flirten. „Viele haben keinen Kontakt von Mensch zu Mensch mehr.“ Die Schülerin orientiert sich an den Zeichnungen eines Renaissancekünstlers. „Pieter Bruegel dem Älteren hatte regelrechte Wimmelbilder geschaffen, die zeitgenössischen Probleme in ihren damaligen Lebenswelten zeigen“, beschreibt die Kunstlehrerin Katharina Uhlenbrock das Werk des bekannten niederländischen Malers, an dessen feinen und dichten Schraffuren sich die Schüler orientieren sollten.
„Da wurde ganz genau mit dem Fineliner gearbeitet, um zu schraffieren und um Parallelen in den Zeichnungen zu erschaffen“ , erklärt die Kunsterzieherin. „Die Schüler haben dazu was über perfekte Proportionen, Grundproportionen des Menschen und die Anwendung der Perspektive gelernt.“
