
Heiligenhaus. Industriegelände statt steriler Ausstellungsraum: Am Samstag, 4. Juli, hat der Kunst-Leistungskurs der Jahrgangsstufe 13 der Gesamtschule Heiligenhaus das Gelände der Spedition Weiss in eine Kulisse für zeitgenössische Kunst verwandelt.
Unter dem Leitmotiv „Der rote Faden verbindet…“ präsentierten die angehenden Abiturienten die Ergebnisse eines intensiven kreativen Schuljahres – und das in Form eines echten, dreistündigen Happenings. Zur feierlichen Eröffnung der Vernissage, die aufgrund der logistischen Abläufe gleichzeitig auch die Finissage war, zog es zahlreiche Besucher auf den Speditionshof. Neben stolzen Eltern, Freunden und Kunstinteressierten zeigten sich auch die Abteilungsleitung sowie die Beratungslehrer der Gesamtschule begeistert von der kreativen Energie der Jugendlichen.
Die Kooperation zwischen der Gesamtschule Heiligenhaus und der Spedition Weiss blickt auf eine eigene Geschichte zurück: Bereits seit 2003 arbeiten Schule und Unternehmen Hand in Hand. Für diese Ausstellung stellte die Spedition nicht nur ein Sponsoring bereit, sondern überließ den Schülern auch sogenannte Wechselbrücken – tonnenschwere Frachtcontainer – als künstlerischen Gestaltungsraum.
Dass der Aufbau ein echter Kraftakt war, betonte die stolze Kunstlehrerin in ihrer Eröffnungsrede: „Vom selbstgemachten Nudel- und Kartoffelsalat für die Stärkung über technische Höchstleistungen bis hin zu wachsamen Wasserpausen haben die Schülerinnen und Schüler hier als unschlagbares Team bis spät in den Abend geschuftet – ganz ohne Probeaufbau, ohne Netz und doppelten Boden.“ Auch eine Schülerin des Kurses, Theodosia Toupier, ergriff das Wort und schilderte eindrucksvoll aus Sicht der Jugendlichen, wie viel Herzblut, Ausdauer und persönliche Reflexion in den gezeigten Arbeiten stecken.
Die thematische Bandbreite der gezeigten Werke beeindruckte das Publikum nachhaltig. Der „rote Faden“ zog sich dabei sowohl visuell als auch konzeptionell durch verschiedene Epochen und Medien. Inspiriert von den detailreichen Wimmelbildern Pieter Bruegels des Älteren zeigten die Schüler filigrane, fehlerfreie Fineliner-Zeichnungen, die durch meisterhafte Schraffurtechniken eine enorme grafische Tiefe erzeugten. Zudem wurde Kritik am digitalen Zeitalter thematisiert. In der Tradition des Dada-Pioniers John Heartfield setzten sich die Jugendlichen mittels Fotomontagen kritisch mit dem Thema Digitalität, Social Media und der filtergesteuerten Reizüberflutung unserer Gegenwart auseinander.
Weiterhin zeigten die Schület in den abgedunkelten Wechselbrücken aufwendig produzierte StopMotion-Filme im Stile des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. Die Filme thematisierten das sensible Innenleben der Jugendlichen und drängende Krisen unserer Zeit wie mentale Gesundheit, Isolation und Krieg. Abgerundet wurde die Ausstellung durch Schattenprojektionen im Leporello sowie dekonstruierte, plastische Weltkugeln, die als dreidimensionale Weckrufe die Gefährdung unserer Erde (z. B. durch Überwachung oder den Klimawandel) mahnend darstellten.
Die Ausstellung markierte nicht nur einen künstlerischen Höhepunkt, sondern auch einen emotionalen Meilenstein für den Kurs. Am Rande der Vernissage wurden zwei Schüler feierlich verabschiedet, die nach den Sommerferien direkt den Schritt ins Berufsleben wagen: Jessica zieht es in die Hotellerie, während Justin seinen Dienst bei der Bundeswehr antritt. Als Symbol für ihren weiteren Lebensweg überreichte der Kurs ihnen individuell bemalte Zollstöcke – als Werkzeug der Kunst für das praktische Leben, um im Alltag stets den richtigen Maßstab anzulegen.
Nach exakt drei Stunden endete das erfolgreiche Kunst-Happening wieder. Die Werke wurden fotografisch dokumentiert, auch für die anstehende Notengebung, bevor die Wechselbrücken der Spedition Weiss wieder für ihren nächsten echten Frachttransport beladen wurden.
